Pressebericht

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Thurgauerzeitung vom 29.07.2008
Kuscheltiere der etwas anderen Art
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Dienstag 29. Juli 2008, Weinfelden

Kuscheltiere der etwas anderen Art
Drinnen und draussen: überall Tiere. Schlangen, Echsen, Schildkröten, Ratten, Mäuse und andere Kuscheltiere. Das Haus der Familie Spies in Wagerswil präsentiert sich wie eine Arche Noah.
Wagerswil – Sandra und Markus Spies leben mit ihren vier Kindern in einem Haus aus dem 15. Jahrhundert inmitten eines riesigen Gartengeländes. Es besteht aus Haupthaus, Veranda, Schopf, Werkstatt und Stallungen und wurde grosszügig ausgebaut. Gebäude und Garten werden von Menschen und Tieren gemeinsam bewohnt. Von Tieren, die niemand mehr haben wollte, und solchen, die die Familie erworben hat: sieben Schlangenarten, drei Echsenarten, Schildkröten, Hühner, Hasen, Hamster, Ratten, Mäuse, Fasane, Papageien, Hunde, Pferde, Ponys. Im Laufe der Zeit ist aus Hilfe und Tierliebe Verpflichtung erwachsen.
«Manchmal stellen die Leute einfach einen Käfig mit einem Tier vor unser Haus», sagt Sandra Spies und behält den flugunfähigen Papagei Dolly im Auge, um sofort aktiv zu werden, falls das herzkranke Tier Anzeichen von Stress zeigt. «Unsere Schildkröten sind alles Abgabetiere», so Markus Spies, der stolz ist auf die selbst gestaltete Gartenanlage mit viel Wasser.
Gut eingespieltes Team
Der sensible Wolfshund Wolf (ein Saarlos) fand nach der Station Tierheim bei der Familie Spies ein Zuhause. Hier hat er den kleinen Artgenossen namens Whisky sofort als Boss akzeptiert. Die Familie ist ein gut eingespieltes Team, umsichtig wird alles, was kreucht und fleucht, versorgt. Vor dem Haus stehen Käfige für Mäuse und Ratten – Schlangenfutter. «Mäuse sind heikel. Wenn sie eine Stunde ohne Wasser und Fressen sind, fressen sie ihre Jungen auf», erklärt Sandra Spies. Das soziale Verhalten der Mäuse ist spannend, die Jungtiere von diversen Müttern kommen in ein Nest. Ausserdem gibt es nur einen Bock im Käfig, und der ist der Chef.
Sandra Spies arbeitet Schicht in der Sia Frauenfeld, wo Ehemann Markus im Bereich Verfahrenstechnik arbeitet. Ferien? Das liegt seit Jahren nicht drin. Dafür fährt die Familie hin und wieder mit der Kutsche, gezogen von einem Pony, aus. Alle Familienmitglieder konzentrieren sich auf die Tiere; es hat sich eine Art Tradition eingespielt.
Tiere als Familienhobby
Jedes Kind hat bestimmte Aufgaben zu erledigen, und das scheint ohne Murren zu klappen. Das Wissen der vier Kinder rund um die Tiere ist umfassend. Die elfjährige Maira holt einzelne Schlangen aus den Käfigen, jede ihrer Bewegungen im Auge behaltend, um sofort aktiv zu werden, falls Gefahr droht. «Giftig sind sie zwar nicht, aber die jungen Tiere sind sehr aggressiv. Sie müssen so sein, sonst überleben sie in der freien Natur nicht.» Maira hält sich fünf Natternarten. Die Kornnattern sind ihre Lieblinge. Sie hält sich drei ausgewachsene Tiere und ein Baby. Die aggressivsten, aber auch aktivsten Schlangen sind die Taiwan-Schönnattern. Davon gibt es drei, die auch regelmässig Eier legen.
«Wir halten auch ein Zuchtpaar schwarze Königsnattern. Leider hatten wir noch nie Eier, weil eine der beiden ein dreiviertel Jahr im Ausgang war», erzählt Sandra Spies. Ausgang heisst, sie war abgehauen und wurde später im Garten gefunden.
Mutter Sandra Spies zeigt ihre Hände, gezeichnet mit Bissabdrücken von Schlangen. Das passiert, wenn die Hände nicht gewaschen sind und nach Maus riechen. «Tut ganz schön weh», meint sie. Wenn man mit Tieren immer zusammen ist, dann beobachtet man sich gegenseitig. Zurückhaltende Körpersprache aller Familienmitglieder zeugt von unerschütterlicher Gelassenheit. Fragen, die ihnen nicht sinnvoll erscheinen, lassen sie mit stoischem Gleichmut an sich abgleiten. Auf den Ruf «Lumpi» kommt die 20-jährige Wasserschildkröte an die Wasseroberfläche.
Fast jede Nische im Haus ist mit liebevoll gestalteten Käfigen belegt. «2004 bekamen wir zwei halb verhungerte Boas und eine Königspython mit Terrarium geschenkt», erzählt Sandra Spies. «Nach drei Monaten Quarantäne bezogen die zwei Boas das Boaterrarium und Gandalf, die Königspythondame, das Terrarium im Büro. Von dort aus kann sie das Büro bewachen. 2006 kauften wir einen Köngispythonbock dazu. Cäsar und Kleopatra waren die ersten Schlangen in unserem Haus- und Hofzoo. Inzwischen kriechen sieben Boas durchs grosse Hausterrarium.»
Wie finanziert sich dies alles? Es wird Handel betrieben mit den gezüchteten Mäusen und Ratten, auch mit Schlangen. «Weil wir gesunde Tiere haben, also keine Inzucht, läufts gut», sagt Markus Spies und fügt noch die familieninterne Faustregel an: Fürsorge und kein Leichtsinn. lMargrith Pfister-Kübler